Ein radikal neues Weinberg-Design gegen die Klimaerwärmung
Magazin | Journal Wissenswertes, Weinkunde, Südafrika
Wie das alte Ouroboros-Symbol, bei dem sich die Schlange selbst in den Schwanz beißt und so einen Kreislauf der Erneuerung bildet, finden innovative Südafrikaner Wege, den Kreislauf zu schließen.
Nachhaltigkeit ist für viele Unternehmen Verantwortung und Zukunftssicherung. In Südafrika jedoch ist sie ein echter Überlebensimperativ.
Südafrikaner begreifen die Dringlichkeit ihrer Herausforderungen als Antrieb für kreative und praxisnahe Lösungen.
Nachhaltigkeit im Township – GreenUp als Modellprojekt
In Khayelitsha, einem Township bei Kapstadt, sind Arbeitsplätze knapp. Genau hier setzt eine innovative Recycling-Initiative an.
2019 gründete Distell gemeinsam mit dem Umweltministerium des Westkaps und der Stadt Kapstadt das Projekt GreenUp. Ziel ist es, Abfall zu reduzieren und gleichzeitig Arbeitsplätze zu schaffen.
Charles Wyeth, stellvertretender Leiter für Nachhaltigkeit bei Distell, betont: Die Partnerschaft verbindet Stadtreinigung mit Qualifizierung und Einkommensmöglichkeiten.
Abfallsammler wurden mit Schutzausrüstung und Sammelwagen ausgestattet und im Trennen von „Post-Consumer-Materialien“ geschult. Wertstoffe werden an Rückkaufzentren geliefert und gelangen von dort zurück in den Produktionskreislauf.
Zusätzlich erhalten die Teilnehmer Schulungen in finanziellen und unternehmerischen Kompetenzen. So entstehen langfristige Geschäftsmodelle.
Recycling schafft Arbeitsplätze
In Khayelitsha sind inzwischen 165 Umweltassistenten aktiv, die sieben Rückkaufzentren beliefern.
Weitere Programme wurden in Gauteng (Alexandra, Soweto) sowie in KwaZulu-Natal (Durban, Newcastle) aufgebaut. Hunderte Menschen profitieren bereits.
Jeder Umweltassistent sammelt durchschnittlich 200 Kilogramm Wertstoffe pro Tag – Glas, PET, Papier, Metall und Kunststoff, die sonst auf Deponien landen würden.
Digitale Software vernetzt die gesamte Wertschöpfungskette. Das steigert Transparenz, Effizienz und Qualifikation der Beteiligten.
Unterstützt werden die Teilnehmer von PROCARE, einer Organisation mit Fokus auf Gesundheit, Sicherheit und Suchtprävention.
GreenUp arbeitet zudem mit dem staatlichen Expanded Public Works Program zusammen, um weitere Beschäftigung zu ermöglichen.
In KwaZulu-Natal startete eine Glasrecycling-Initiative mit Heineken. Informelle Siedlungen sowie Bereiche rund um das Hluhluwe-Imfolozi-Reservat wurden bereits von Abfällen befreit.
Parallel betreibt Distell ein Bottle-Recovery-Programm. Unternehmer im Bereich Flaschenrücknahme werden digital vernetzt und beim Aufbau eigenständiger Betriebe unterstützt.
Das senkt den Verpackungs-Fußabdruck und wirkt der globalen Flaschenknappheit entgegen.
Nach Angaben von Shabeer Jhetam, CEO der Glass Recycling Company, schafft Glasrecycling landesweit rund 50.000 Einkommensmöglichkeiten. Über 80 % der Rückkaufzentren generieren zusätzliche Arbeitsplätze.
Derzeit werden in Südafrika etwa 40 % der Glasscherben für neue Flaschen genutzt. Bis 2027 soll die Sammelquote auf 64,4 % steigen – ein bedeutendes wirtschaftliches Potenzial.
GreenUp wurde dafür mit dem Recycling Gamechanger Award von PETCO ausgezeichnet.
Wyeth fasst zusammen: „Wenn Sie das nächste Mal eine Flasche oder Dose öffnen, denken Sie daran – sie könnte Teil dieses Kreislaufs sein.“